Am Donnerstag ging es für uns zu Zweit nacht Wismar. Um Neun Uhr wurde elegant der extrem volle Zug bestiegen und die Fahrzeit mit Bier trinken und dumm labern verbracht. Wir hatten Spaß-die anderen Fahrgäste nicht so. Pünktlich …plus dreizig Minuten Verspätung wurde die Hansestadt erreicht. Das erste was wir erspähten war ein Auto mit FÜ-Kennzeichen, was wir sofort tauften und unter UN-Kleber weiterfuhren ließen. Selbst im hohen Norden ist man anscheinend nicht vor uns Banditen sicher. Dann hieß es den Hunger stillen und zu Onkel Saddam in die Pizzeria ne Pizza holen. Hierbei wurde von mir erfolgreich -eigentlich auf dem Weg zur Toilette, aber dunkle Gänge machen mich neugierig- der Keller von ihm unter die Lupe genommen. Der Keller war Atomwaffenfrei. Nach kurzem Frass erkundigte man die Altstadt. In der St- Marienkirche (Kirche der Aristokraten) spendete ich einen Euro von meinem schwer erarbeiten Hungerlohn und wir wurden mehr oder weniger heraus geschmissen, bevor wir Strauchdiebe auch nur die erste Info-Broschüre in unseren Händen hielten. Penner!
Ich schaffte es allerdings noch ein paar Infos im Nebeneingang zur erlesen, bevor man mir hinterher brüllte…“Wenn du deinen Kumpel suchst, der ist drüben in der Kneipe!“ Leute die für Gott arbeiten waren auch schon mal netter. Im nächsten Gotteshaus wurde ich freundlicher empfangen. Wahrscheinlich lag es daran, das es sich hier um eine der wenigen Arbeiterkirchen in Ostdeutschland handelte. Michael Sommer vom Deutschen Gewerkschaftsbund hat aber nicht gepredigt. Anschließend ging es ins Kurt-Bürger-Stadion um die Partie FC Anker Wismar gegen Brandenburg Süd 05 anzukieken. Mit dem Anpfiff kam ein richtiger Platzregen vom Himmel, so dass ich mich gezwungen sah galant die Tribüne zu erobern und mir dabei weltmännisch fast den Arm brach. Bis zum 1 zu 1 nach Zwölf Minuten habe ich mir die muntere Partie angeschaut, danach hab ich mir ne Mütze Schlaf genommen und vom Weltfrieden geträumt. Dachte eigentlich das Süd 05 wenigsten irgendwelche Fans mit bei haben wird, aber nüscht wars. Anscheinend haben die Brandenburger lieber in der Platte am Vatertag gehaust und Billig-Plastikbier vom Norma gezischt. In der Halbzeit wurde ich dann von guter Stadionmusik geweckt. Titel und Interpret habe ich vergessen. Dann ging es auf zum Fotos schießen. Das Stadion besticht über eine wunderschöne Haupttribüne mit jeweils links und rechts ausgewiesene Sitzplatzbereiche auf alten Holzbalken. Was im Osten natürlich nicht fehlen darf sind abgesperrte Bereiche, die seit Jahren vor sich hin gammeln und total im Arsch sind. So ist nämlich der Rest des Stadions. Romantisch schön. Das Spiel endete 4-2 für Wismar und so machte man sich schnurrstracks wieder zum Bahnhof mit Zwischenstop am Ostseehafen. Und hier saßen sie nun alle, den Vatertag mit Bier und Grill feiernd, den wunderschönen Blick auf die Ostsee genießend und von Arbeitsplätzen träumend… Die Ostdeutschen. Mit Rambazamba ging es wieder in die 030-Stadt, wo mich das Schalke-Mobil bis vor die Haustür kutschierte. Vielen Dank

Am Samstag hieß es für mich mal ausschlafen. Der Wecker klingelte um 4:30 Uhr statt um 3:50 Uhr. Fit wie ein Turnschuh machte ich klebend einen neuen FCN-Wanderweg zum auserkorenen Treffpunkt. Die Fahrt im Schalke-Mobil ging süffisant und feuchtfröhlich von Statten. In Essen -nennen wie es mal leicht benommen- stieg nun in den Zug nach Düsseldorf. Dort stand für mich Arabisch lernen auf den Stundenplan mit vier Arabischen Damen. Die Zahlen Eins bis Fünf habe ich erfolgreich gelernt und auch erfolgreich beim Ausstieg wieder vergessen. Ich meine aber noch mich erinnern zu können, das ich zur Hochzeit von der Tante nach Marokko eingeladen worden bin. Vermutlich hatte sie mich schon an eines ihrer Kinder verkauft. Düsseldorf angekommen machte ich mich auf den direkten Weg zum Stadion. Eine Stunde bevor die Gruppe der gutaussehenden Menschen kam und ich dann gemeinsam mit ihnen hinein ging, studierte ich die heimische Pfandflaschen-Szene. Einfach nur der Wahnsinn!!!

Wahnsinn war auch wieder die Einstellung unserer Spieler im Trikot des Ruhmreichen in der 1. Halbzeit. Einzig allein der “so genannten Fans-Kritiker“ Hanno Balitsch setzte mit dem Eigentor dem ganzen noch die Krone auf. You are the Man! Die Zweite Halbzeit rede ich jetzt auch einfach mal schlecht, weil ich einfach pöbeln will. Die etwas bessere Leistung in Halbzeit Zwei unser 10 Mannen/Derbyversager und dem Suppenkasper “der sich die gute Saison wegen einem Spiel nicht schlecht reden lässt“ im Tor, geschuldet, weil F95 einfach noch harmloser war, bescherte dann doch noch Zwei Tore für die Guten. Anschließend war der Suppenkasper weiterhin beleidigt und traf mich echt emotional dolle (IRONIE!!!) als er seinen Gang zur Kurve abbrach und die restlichen Derbyversager mit in die Kabine winkte. Ick wollte dir doch unbedingt um den Hals falln, dir meene selbstjeschmierten Butterstulln aus 030-Stadt übaareichen, deene Kochschürze mit der Numma Eins, een Autogramm und eene Haarlocke von dir ham. Alle ham kapiert watte für ’ne Flitzpiepe bist, außer der lautstarke Ultra-Hasser im Oberrang nach dem Spiel.

Nach dem Spiel ging es geschlossen unter Blaulicht in die Altstadt. Bei bester Laune amüsierte ich mich den ganzen Abend. Zu später Stunde holten dann alle noch ihr Bundesjugendspiel-Abzeichen nach oder frischten es auf. Für mich hieß es dann anschließend zum Verabredeten Treffpunkt mit Schalke aufmachen, doch die Autobesetzung war nicht da. So irrte ich nun gute 45 Minuten in Düsseldorf umher und ohne Handyakku. Ganz großes Kino. Als ich mich auf dem Fußweg zum Hbf von Düsseldorf machte, erinnerte sich der liebe Gott daran, das ich in Wismar in jedes seiner Häuser nen Obelus hineingeworfen habe und mitten in dieser Scheiß-Stadt stand es nun da….Das Schalke-Mobil. Kranke Scheiße!!!

Ohne viel Tamtam ging es ruckizucki ins Bett. Am nächsten Morgen traf mich echt der Schlag als ich die ganzen Nachrichten auf meinem aufgeladenen Handy las. Nochmal kranke scheiße!!! Mit einem unbeschreiblichen beschissenen Gefühl ging es dann nach 030-Stadt.

FREIHEIT FÜR BILLY
FREIHEIT FÜR ULTRAS