Premnitz

Ich sitze seit ca. einer Viertelstunde vor dem Rechner, starre wie blöd auf den Monitor und weiss nicht wie ich anfangen soll. Ist wohl noch zuviel Alkohol von gestrigen bunten Abend im Körper. Man hatte wieder dermaßen die Lampe an, sodass der örtliche Stromanbieter denken musste, er beliefere ein Großunternehmen zu besten Produktionszeiten, aber man hatte es tatsächlich noch vorher geschafft zwei nette Mädels wohlbehütet bis vor die Haustür zubringen und aus eigener Kraft nach Hause zu kriechen.

Samstag in aller Frühe gegen 12 Uhr sollte es losgehen am 030er Hauptbahnhof nach Premnitz. Da ich aber die örtliche Wirtschaft ankurbeln wollte, hieß es für mich schon ein bisschen eher die heimische Wohnung zu verlassen. Um hier keine endlos Geschichten zu schreiben… Klappte alles nicht und so entschied ich mich dann schon mal Proviant zu holen, um dann vom Gesundbrunnen bis zum Hauptbahnhof zu laufen und den ganzen Vorrat wieder verschwinden zulassen. Unterwegs endeckte ich bei strömenden Regen, wie schön und vielfältig die 030-Stadt doch wieder sein kann. Klitschnass kam ich nach einer guten Stunde Dauerregen trotz “Regenjacke“ an. Hier erwarte mich mein Schalker Kumpel vor einem Mundvorratsfachgeschäft untertage. Dort wurde nochmals Bares gegen Wares getauscht und sich anschließend zum Schienenstrang begeben. Dort wurden wir traurigerweise Zeuge, wie drei Herren, einen kleinen hilflosen Asiaten – der anscheinend weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig war- schickanierten. Der Junge Mann war so schockiert, das er beim auffordern seiner Hemdtasche zuleeren sein komplettes Kleingeld verlor, was die drei Herren zu einem lauten und hämischen lachen veranlasste. Auf unsere erboste Anfrage, was das ganze Prozedere hier soll, ließen sie kurze Zeit später von ihm ab und die 3 Bundespolizisten verdünnisierten sich. Man kommt sich wohl bärenstark vor, zu dritt, allesamt „Ihrem Opfer“ körperlich überlegen, mit Deutscher Uniform, die Deutschen Grenzen am Gleis sieben zu verteidigen. Nicht auszudenken, wenn der Mensch einfach so in den Zug gestiegen wäre. Schleicht euch ihr….! Man muss aber wohl auch den Asiaten vorhalten, das er nicht mit verschwitzem Deutschland-Trikot und vollgepisster Hose rumläuft. Das er keine gefühlte 5 Kisten Bier intus und vier verschiedene Hunde bei sich hat, die um ihn herumstreunern und das er nicht lautstark gröhlend über den Bahnhof torkelt. Da macht er sich schon verdächtigt. Die Fahrt nach Premnitz verlief bis kurz vor Premnitz ereignislos. In der Stadt, die den ehemaligen Ostblock mit Brillen belieferte wurde umgestiegen und die Fahrt mit einer abgespaceten Bahn fortgesetzt. Die Lokusabteilung an Bord der ODEG war ja mal hochgradig krass. Zig Tasten, die blinkten. Ich war so fasziniert, das ich die Taste für die Seife nicht gefunden habe. Es dauerte echt einige Sekunden bis ich merkte, der Seifenspender ist oldschool zu betätigen. Dann geschah, das unmögliche. Ein Geistesblitz traf mich. Gott sprach zu mir und ich stieg aus…allein. Schalke fuhr weiter. Als ich kurz überlegte und feststellte, das die Bimmelbahn hier nur einmal die Stunde entlangfuhr, entschied ich mich die eine Station an der Bahntrasse entlang zulaufen. Kurze Zeit später klingelte mein Telefon ohne Schnur und ich wurde mit dem Auto von einem dort lebenden Schalker abgeholt.
Da es noch ziemlich früh war, fuhren wir nun zu dritt zum Schalker nach Hause und vertrieben uns dort die Zeit mit quatschen und trinken. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn bekamen wir dann noch eine 1A Sightseeing-Tour per Auto durch die Stadt und wieder wurde unser Wissen erweitert. Danke! Pünktlich um 15 Uhr kamen wir am Stadion der Chemiearbeiter an. Eine tolle Anlage mit sehr viel Charme. Die Chemie-Elf als Neuling in der Liga, ist seit zwei Jahren auf heimischen Platz ungeschlagen und heute wollte man dieses klasse Ergebnis mit in die nächste Saison nehmen. Zu Gast war heute der SC Victoria 1914 Templin aus der Westuckermark. Die grünen Chemiker machten zu Anfangs ordentlich Dampf. Nach gut Zwanzig gespielten Minuten dann ein Steilpass von einem Templiner in die Spitze und der Stürmer ist plötzlich Mutterseelen alleine vor dem Tor, ein Chemiker rauscht von hinten heran und wir alle hören es nur noch klatschen und ein lautes „Aaargh“. Ich persönlich hätte nun 5x Rot und ebenso häufig auf dem Elfmeterpunkt gezeigt, aber der Mann in Schwarz, der heute das gelbe Dress bevorzugte entschied auf weiterspielen. Während des Spiels ließen wir uns, die Geschichte und Zukunft der Sportanlage und die örtliche Fanszene erklären bzw. die fünf Personen, die liebevoll die Ultras Erbsencrew genannt werden. Den Namen tragen die älteren Herrschaften, weil sie sich alle ein Gehirn teilen. Während der ganzen Partie regnete es und so zogen wir es zur Halbzeitpause vor uns in das Vereinsheim zusetzen. Sehr schön hier eine Wandtapete mit Fotos aus alten Tagen. Pünktlich zur 2. Hälfte standen wir aber wieder am Spielfeldrand. Glücksbringer waren wir aber nicht und am Ende stand es 1 zu 3 und wir waren Beobachter der ersten Heimniederlage von Premnitz nach zwei Jahren.
Nachdem Spiel verabschiedeten wir uns und es ging über den Umweg Vereinsheim mit Getränk zum Bahnhof. Hier konnten wir uns aussuchen, ob wir 20 Minuten warten und über den Süden nach 030-Stadt fahren oder 40 Minuten warten um die gleiche Strecke, so wie wir gekommen waren über den Norden zurück zunehmen. Natürlich entschieden wir uns für das Falsche mit der wahnsinnigen Begründung wir kennen die Bahnhöfe Richtung Süden ja noch gar nicht. Kurz vor der Stahl- und Walzstadt Altstadt –für Kenner nur Pitstop- hieß es dann aus dem Nichts Endstation und den Schienenersatzverkehr benutzen. Da war die gute Verbindung selbstverständlich im Arsch und die Laune ebenso. So wurde sich eben im Bus direkt hinter dem Busfahrer gesetzt und man ist ihm ein wenig auf die Nerven gegangen.
Am Bahnhof wollten wir Tante Soljanka von letzter Woche Hallo sagen, aber diesmal war Omma Bockwurst an den Kochtöppen. Kurze Zeit später wurde der Zug nach Potsdam genommen, um dann weiter nach 030-Stadt zugondeln. Zum Schluß gab es diesmal keine Bockwurst für alle. Schalke und der FCN